Niacinamid: Wann es zu deiner Pflege passt

Niacinamid: Wann es zu deiner Pflege passt

Vielleicht steht Niacinamid schon in deinem Badezimmer, ohne dass du es eigens gekauft hast. Der Inhaltsstoff findet sich in Tonern, Cremes und Sonnenschutz genauso wie in Seren, auf deren Vorderseite er groß angekündigt wird.

Bevor du eine weitere Flasche dazustellst, schau einmal auf die Zutaten deiner bisherigen Pflege. Daraus ergibt sich oft die angenehmere Frage: Was wünsche ich mir eigentlich noch von ihr?

Ein Vitamin mit mehreren Aufgaben

Niacinamid, auch Nicotinamid genannt, ist eine Form von Vitamin B3. Für kosmetische Pflege sind vor allem Untersuchungen zu Hautbarriere, Pigmentierung und fettigem Glanz interessant. Ein einzelner Inhaltsstoff kann dabei verschiedene Aufgaben haben; das macht ihn noch nicht zur passenden Antwort auf jedes Hautanliegen. DermNet: Nicotinamid

Bei der Hautbarriere geht es unter anderem darum, Wasserverlust zu begrenzen. Eine Studie untersuchte Niacinamid sowohl an Hautzellen als auch bei trockener Haut und fand Hinweise auf eine Unterstützung der hauteigenen Lipidbildung und der Barrierefunktion. Daraus stammt eine fachliche Grundlage für seine Verwendung in Pflegecremes. Tanno et al.: Niacinamid und Hautbarriere

Für fettigen Glanz gibt es Untersuchungen mit einer zweiprozentigen Niacinamid-Pflege. Die Ergebnisse unterschieden sich je nach untersuchter Gruppe und Messgröße. Das ist ein Hinweis auf möglichen Nutzen, keine Zusage, dass eine beliebige Niacinamid-Flasche deine Haut den ganzen Tag matt hält. Draelos et al.: Niacinamid und Talg

Bei ungleichmäßiger Pigmentierung wurde unter anderem eine Feuchtigkeitspflege mit fünf Prozent Niacinamid untersucht. In einem kleinen kontrollierten Teilversuch verbesserten sich Pigmentflecken gegenüber der Vergleichspflege. Der Befund gilt für die untersuchte Formulierung und lässt sich nicht unverändert auf jedes Serum übertragen. Hakozaki et al.: Niacinamid und Pigmentierung

Wenn nach Pickeln Spuren bleiben, hilft vorher die Unterscheidung zwischen Pickelmalen, Pigmentflecken und Narben. Ein Produkt für einen gleichmäßigeren Hautton ist nicht für alle drei Veränderungen gleich sinnvoll.

Welche Konzentration ist richtig?

Zwei, fünf oder zehn Prozent sehen auf einer Verpackung aus wie eine Rangfolge. Die Studien oben geben eine solche Rangfolge aber nicht her: Sie untersuchten unterschiedliche Rezepturen und unterschiedliche Fragen.

Eine höhere Zahl ist deshalb für sich genommen kein besserer Kaufgrund. Schau darauf, ob du die Textur magst, ob die übrigen Inhaltsstoffe zu deiner Auswahl passen und ob deine vorhandene Pflege das Anliegen vielleicht schon abdeckt. Eine funktionierende Creme muss einem neuen Serum keinen Platz machen.

Niacinamid oder Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure gehört zu den Feuchthaltemitteln: Sie bindet Wasser. Niacinamid wird unter anderem wegen seiner beschriebenen Rolle für die Hautbarriere eingesetzt. Die Aufgaben sind unterschiedlich, können sich in einer Formulierung aber ergänzen. Für Feuchtigkeit sind außerdem die gesamte Rezeptur und ihre Anwendung entscheidend. DermNet: Feuchthaltemittel und Feuchtigkeitspflege

Wenn sich deine Haut vor allem trocken anfühlt, muss die Entscheidung also nicht „Hyaluron gegen Niacinamid“ heißen. Eine angenehm formulierte Feuchtigkeitspflege kann beides enthalten. Mehr zum Wasserbinden findest du in unserem Beitrag über Hyaluronsäure und ihre Anwendung.

Und zusammen mit Vitamin C?

Im Internet begegnet dir vielleicht die Regel, diese beiden dürften nie zusammen auf die Haut. Als allgemeines Formulierungsverbot passt das nicht: Das COSRX The Vitamin C 13 Serum enthält laut veröffentlichter Zutatenliste sowohl Ascorbinsäure als auch Niacinamid. Bloom & Shine: Inhaltsstoffe des COSRX Vitamin C 13 Serums

Eine fertig entwickelte Rezeptur ist allerdings etwas anderes als das Zusammenmischen zweier Seren in der Hand. Prüfe bei getrennten Produkten die jeweiligen Hinweise und führe sie einzeln ein. So kannst du eher erkennen, womit sich deine Haut wohlfühlt. Du musst nicht beide verwenden, um deine Routine „vollständig“ zu machen.

Wenn du zwischen den beiden auswählst, lies auch Vitamin C: Anwendung und Aufbewahrung. Die Vitamin-C-Form spielt bei diesem Vergleich eine wichtige Rolle.

Ein Produkt zum Einordnen

Das AXIS-Y Dark Spot Correcting Glow Serum enthält nach Herstellerangabe fünf Prozent Niacinamid, außerdem Glycerin, Squalan und Sodium Hyaluronate, eine Form der Hyaluronsäure. Die Kombination zeigt ganz konkret, dass Niacinamid und Hyaluron keine Gegenpole sein müssen. AXIS-Y empfiehlt eine kleine Menge auf dem Gesicht oder ausgewählten Bereichen. AXIS-Y: Rezeptur und Anwendung

In derselben Zutatenliste steht Rosmarinblattöl. Wenn du diesen Bestandteil meidest, schau nach einer anderen Formulierung. Der Name des Hauptwirkstoffs erzählt eben nur einen Teil der Geschichte eines Produkts.

Ein ruhiger Start reicht

Die American Academy of Dermatology empfiehlt, neue Pflege zunächst sieben bis zehn Tage kleinflächig zu testen. Halte dich dabei an die Anwendung des konkreten Produkts. Zeigen sich Rötung, Juckreiz oder Schwellung, wird es abgewaschen und nicht weiterverwendet. Ein unauffälliger Vorabtest garantiert allerdings keine dauerhafte Verträglichkeit. AAD: Neue Pflege testen

Notiere dir ruhig, welches Produkt neu dazugekommen ist. Das macht eine spätere Rückfrage leichter, auch wenn du dir bei uns Hilfe bei der Auswahl holst. Wenn deine Haut bereits spannt oder brennt, ist das zuerst ihr eigenes Thema.

Die Übersicht Inhaltsstoffe in K-Beauty hilft dir, weitere Pflegebegriffe nach ihrem Anliegen zu sortieren.

Was wir sicher wissen

  • Niacinamid ist eine Form von Vitamin B3; in der Zutatenliste heißt es „Niacinamide“.
  • Studien zu Hautbarriere, Talg und Pigmentierung untersuchen konkrete Formulierungen.
  • Die Prozentzahl allein sagt nicht, welche Pflege besser zu dir passt.
  • Niacinamid kann gemeinsam mit Hyaluronsäure oder Vitamin C formuliert sein. Die fertigen Produkte bleiben entscheidend.

Quellen