Wie Meerjungfrauen ihre Haut pflegen

Wie Meerjungfrauen ihre Haut pflegen

Vor der schwarzen Lavaküste Jejus erscheint zuerst eine orangefarbene Boje. Dann taucht ein Kopf in einer schwarzen Haube aus dem Wasser. Ein scharfer Atemzug, ein Korb voller Muscheln – und kurz darauf ist die Frau wieder zwischen den Wellen verschwunden.

Die Haenyeo – 해녀 – werden oft als Jejus Meerfrauen oder Meerjungfrauen bezeichnet. Einen Fischschwanz brauchen sie nicht. Sie tauchen ohne Sauerstoffgerät, kennen Strömungen, Wetter und Fanggründe und sammeln unter anderem Seeohren und Seeigel.

Ihre Geschichte ist keine alte Postkarte. Auf Jeju gehen noch heute Haenyeo ins Meer, manche bis ins hohe Alter. Seit 2016 gehört ihre Kultur zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Frauen, die das Meer lesen

Die erfahrensten Haenyeo führen jüngere Taucherinnen an. Wissen wird nicht nur in Büchern gesammelt, sondern im Wasser weitergegeben: Wann eine Strömung kippt. Welcher Fang groß genug ist. Wann das Meer besser in Ruhe gelassen wird.

Nach Angaben der UNESCO erreichen die Taucherinnen Tiefen von bis zu zehn Metern und halten bei jedem Tauchgang ungefähr eine Minute lang den Atem an. Ihre Arbeit hat den gesellschaftlichen Rang von Frauen auf Jeju mitgeprägt. Gleichzeitig gehören gemeinschaftliche Regeln zum Schutz der Fanggründe zu dieser Kultur.

Das klingt beinahe märchenhaft. Es ist jedoch körperlich schwere Arbeit in Sonne, Wind und kaltem Wasser.

Und hier endet die romantische Abkürzung zur Skincare. Wir wissen nicht, welche Creme eine bestimmte Haenyeo nach dem Tauchen benutzt. Aus ihrer Arbeit lässt sich keine geheime koreanische Pflegeroutine ableiten.

Wir können aber genauer auf das schauen, was Haut am Meer erlebt.

Meerwasser ist kein Toner

Nach dem Baden fühlt sich Haut manchmal glatt an, manchmal trocken und gespannt. Beides ist möglich.

Die Forschung zu Salz und Haut ist nicht so eindeutig, wie ein kurzer Beauty-Tipp gern behauptet. Kontrollierte mineralreiche Bäder können bei bestimmten Formen trockener oder atopischer Haut hilfreich sein. Eine aktuelle Laboruntersuchung an isolierter Hornschicht zeigte dagegen, dass Salzwasser die mechanische Spannung beim Trocknen erhöhen kann.

Das widerspricht sich nicht unbedingt. Meerwasser, eine medizinisch kontrollierte Salzlösung und ein langer Strandtag sind drei verschiedene Dinge. Hautzustand, Salzkonzentration, Dauer, Sonne, Wind und Reibung verändern das Ergebnis.

Für den Alltag bleibt deshalb eine einfache Regel: Brennt oder spannt die Haut nach dem Meer, wird sie nicht geschrubbt. Lauwarmes Süßwasser, eine sanfte Reinigung und eine passende Creme sind meist die ruhigere Antwort.

Vor dem Baden: Schutz muss Wasser aushalten

Kühles Wasser lässt die Sonne harmloser wirken. Die UV-Strahlung verschwindet dadurch nicht.

Für längere Zeit am Meer gehört deshalb ein hoher Schutz gegen UVB- und UVA-Strahlung auf alle unbedeckten Hautstellen. Beim Schwimmen muss das Produkt ausdrücklich als wasserbeständig beziehungsweise wasserfest gekennzeichnet sein. Ein angenehmes Daily-Sun-Serum ohne diese Angabe ist nicht automatisch für das Baden geprüft.

Sonnenschutz wird großzügig und vor dem Aufenthalt in der Sonne aufgetragen. Nach dem Schwimmen, Schwitzen oder Abtrocknen wird nachgelegt – auch bei einem wasserbeständigen Produkt. Schatten, Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille bleiben Teil des Schutzes.

Ein Sun Stick kann unterwegs praktisch sein. Als alleinige Basis wird mit einem Stick allerdings leicht zu wenig Produkt aufgetragen. Creme oder Lotion sind für die erste, gleichmäßige Schicht meist einfacher.

Nach dem Meer: beruhigen statt überreden

Salz, Sand und Sonnenschutz müssen abends nicht auf der Haut übernachten.

Zuerst wird das Gesicht mit lauwarmem Süßwasser abgespült. Ein Reinigungsöl oder Balm kann wasserbeständigen Sonnenschutz lösen. Ein zweiter Cleanser ist nur nötig, wenn Rückstände bleiben oder sich die Haut damit wohlfühlt. Quietschende Sauberkeit ist kein Qualitätszeichen.

Danach reicht häufig wenig:

  1. Ein leichtes Serum oder eine Ampoule mit Feuchthaltemitteln und beruhigenden Bestandteilen wie Glycerin, Panthenol oder Centella asiatica.
  2. Eine Creme, die Wasser in der Hornschicht hält. Bei trockener, gespannter Haut können Ceramide, Cholesterin, Squalan oder andere Lipide sinnvoll sein.
  3. Eine Pause für Retinoide, AHA, BHA und starke Peelings, wenn die Haut gerötet ist oder brennt.

Ein Sonnenbrand ist keine trockene Haut mit schlechter Laune. Er ist eine akute UV-Schädigung. Dann geht es zuerst aus der Sonne, die Haut wird kühl gehalten und sanft gepflegt. Blasen, starke Schmerzen, Fieber oder größere betroffene Flächen gehören medizinisch abgeklärt.

Eine kleine Routine für einen Tag am Meer

Vor dem Wasser

  1. Leichte Feuchtigkeitspflege, falls die Haut sie braucht.
  2. Wasserbeständigen Breitband-Sonnenschutz mit hohem LSF großzügig auf Gesicht, Ohren, Nacken, Lippen und alle unbedeckten Körperstellen geben.
  3. Die Einwirk- und Anwendungshinweise auf dem Produkt beachten.

Am Strand

  1. Möglichst Schatten suchen und die intensive Mittagssonne meiden.
  2. Nach dem Baden, Schwitzen und Abtrocknen erneut Sonnenschutz auftragen.
  3. Kleidung und Kopfbedeckung nicht gegen eine weitere Schicht Serum eintauschen.

Nach dem Wasser

  1. Salz und Sand mit lauwarmem Süßwasser abspülen.
  2. Wasserbeständigen Sonnenschutz sanft lösen und abnehmen.
  3. Feuchtigkeit auf die noch leicht feuchte Haut geben.
  4. Mit einer leichten oder reichhaltigen Creme abschließen – je nachdem, was die Haut tatsächlich braucht.

Die Haenyeo erinnern daran, dass man das Meer nicht beherrscht, indem man es unterschätzt. Für die Haut gilt erstaunlich Ähnliches.

Was wir sicher wissen

  • Die Kultur der Jeju-Haenyeo wurde 2016 in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die UNESCO beschreibt Tauchgänge bis etwa zehn Meter ohne Sauerstoffmaske sowie gemeinschaftlich weitergegebenes Wissen über Meer und Fanggründe.
  • Sonnenschutz bietet keinen vollständigen Schutz. Die EU-Empfehlung 2006/647/EG verlangt Schutz gegen UVB und UVA und rät zum erneuten Auftragen, besonders nach Schwimmen, Schwitzen oder Abtrocknen.
  • Der angegebene Lichtschutzfaktor wird unter Prüfbedingungen mit 2 mg Produkt pro cm² Haut ermittelt. Eine deutlich kleinere Menge senkt den tatsächlichen Schutz.
  • DIN EN ISO 16217:2022-02 beschreibt das Wasserbad-Verfahren zur Bestimmung der Wasserbeständigkeit von Sonnenschutzmitteln. DIN EN ISO 18861:2022-02 vergleicht den LSF vor und nach einer festgelegten Wasserimmersion. „Wasserfest“ bedeutet deshalb nicht, dass der Schutz nach beliebig langem Baden unverändert bleibt.
  • Die Wirkung von Salzlösungen auf die Haut hängt von Zusammensetzung, Dauer und Hautzustand ab. Ein kontrolliertes Salzbad bei atopischer Haut lässt sich nicht mit einem langen Tag in Meerwasser und Sonne gleichsetzen.

Quellen

Sonne, Salz & Hautbarriere

Beim Baden zählt eine ausdrücklich bestätigte Wasserbeständigkeit. Danach braucht die Haut vor allem eine sanfte Reinigung und eine Pflege, die zum aktuellen Hautzustand passt.