Auf der Rückseite einer Creme beginnt oft eine kleine Detektivarbeit. Ganz oben Wasser, danach Feuchthaltemittel, Öle oder Silikone. Weiter hinten wird die Reihenfolge geheimnisvoller.
Die sogenannte 1-%-Regel hilft beim Lesen der INCI-Liste. Sie ist aber keine Grenze zwischen wirksam und unwirksam.
Was besagt die Regel wirklich?
Für Kosmetikprodukte in der Europäischen Union gilt nach Artikel 19 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009:
Inhaltsstoffe werden grundsätzlich nach ihrem Gewicht zum Zeitpunkt der Zugabe in absteigender Reihenfolge genannt. Inhaltsstoffe mit einer Konzentration unter 1 % dürfen nach den Stoffen über 1 % in beliebiger Reihenfolge stehen.
Das bedeutet: Am Anfang der Liste lässt sich die Grundformel meist recht gut erkennen. Weiter hinten kann man aus der Position allein keine genaue Konzentration mehr ableiten.
Was die Liste nicht verrät
Die INCI-Liste markiert nicht, wo der Ein-Prozent-Bereich beginnt. Zwei direkt nebeneinander aufgeführte Stoffe können deshalb sehr unterschiedlich dosiert sein. Auch die exakte Menge eines Wirkstoffs lässt sich normalerweise nicht aus seiner Position errechnen.
Und: Weniger als ein Prozent bedeutet nicht automatisch wirkungslos. Manche Stoffe werden bewusst niedrig dosiert. Andere brauchen deutlich höhere Mengen. Entscheidend sind der jeweilige Wirkstoff, die gesamte Formulierung, Stabilität, Verpackung und die zur Werbeaussage passenden Nachweise.
Die ersten fünf Inhaltsstoffe erzählen viel über die Basis eines Produkts. Sie erzählen aber nicht die ganze Geschichte.
Was wir sicher wissen
- Die rechtliche Regel spricht von unter 1 %, nicht von einer pauschalen Wirksamkeitsgrenze bei 1 %.
- Inhaltsstoffe über 1 % werden grundsätzlich in absteigender Gewichtsreihenfolge aufgeführt.
- Stoffe unter 1 % dürfen danach in beliebiger Reihenfolge erscheinen. Die genaue Schwelle ist in der Liste nicht gekennzeichnet.
- Farbstoffe dürfen nach den übrigen kosmetischen Inhaltsstoffen ebenfalls in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden.
- Aus einem späten Listenplatz allein lässt sich weder Wirkung noch Wirkungslosigkeit beweisen.

