Von Schweinen träumen

Von Schweinen träumen

Manche Träume verschwinden beim ersten Kaffee. Andere schicken einen Menschen zum nächsten Lottoladen.

Ein Schwein im Traum kann in Korea als gutes Zeichen gelten. Es verspricht nicht bescheiden ein wenig Glück, sondern gleich Wohlstand und Fülle. Ob das Los danach wirklich gewinnt, ist eine andere Geschichte. Doch für einen Augenblick fühlt sich selbst ein grunzender Nachtbesuch wie eine erfreuliche Nachricht an.

Warum ausgerechnet ein Schwein?

In der koreanischen Volkskultur steht das Schwein seit Langem für Fruchtbarkeit, Überfluss und Glück. Es frisst mit großem Appetit und bringt viele Junge zur Welt – zwei sehr anschauliche Bilder für Fülle.

Dazu kommt ein Sprachspiel. Das koreanische Wort für Geld lautet don – 돈. Auch die sino-koreanische Lesung des Schriftzeichens 豚 für Schwein lautet don. Das alltägliche koreanische Wort für Schwein ist zwar dwaeji – 돼지. Trotzdem verbindet der Gleichklang das Tier auf schöne Weise mit Geld.

Darum kann ein Schweinetraum, dwaeji-kkum – 돼지꿈, als Vorzeichen für finanzielles Glück verstanden werden. Manche Menschen kaufen danach ein Lotterielos. Nicht weil das Schwein Zahlen verraten hätte, sondern weil Glück manchmal einen kleinen Anlass braucht.

Wenn die Vier lieber ein F wird

Auch Zahlen können eine zweite Bedeutung tragen. Die sino-koreanische Aussprache der Zahl Vier ist sa – 사. Das Wort für Tod kann genauso ausgesprochen werden, wird aber mit einem anderen Schriftzeichen geschrieben.

Deshalb fehlt in manchen koreanischen Gebäuden die vierte Etage auf dem Bedienfeld. Zwischen drei und fünf steht dann ein F. Ähnlich wie die Zahl 13 in vielen westlichen Ländern bleibt die Etage natürlich vorhanden. Nur ihr Name geht einen kleinen Umweg.

Persönlichkeit aus der Blutgruppe

Eine weitere Vorstellung ordnet den Blutgruppen bestimmte Charakterzüge zu. Blutgruppe A gilt dann etwa als gewissenhaft, B als unabhängig, AB als ungewöhnlich und 0 als offen oder selbstbewusst.

Solche Typologien können als Smalltalk, Flirtfrage oder spielerische Selbsterklärung auftauchen. Wissenschaftlich lässt sich die Persönlichkeit daraus jedoch nicht zuverlässig ablesen. Eine große Auswertung von Befragungen aus Japan und den USA fand praktisch keinen relevanten Zusammenhang.

Der Ventilator, der nachts verdächtig wurde

Kaum eine koreanische Alltagslegende ist international so bekannt wie der sogenannte „Ventilatortod“. Die Erzählung besagt, ein laufender Ventilator könne in einem geschlossenen Schlafzimmer Sauerstoff verbrauchen, Ersticken verursachen oder den Körper gefährlich auskühlen.

Ein gewöhnlicher Ventilator verbraucht jedoch keinen Sauerstoff. Er bewegt Luft. Bei extremer Hitze bleibt ein überhitzter Raum trotzdem gefährlich – aber nicht, weil der Ventilator heimlich die Luft verschwinden lässt.

Aberglaube ist selten nur eine Liste falscher Behauptungen. Er zeigt, welche Wörter ähnlich klingen, welche Hoffnungen Menschen teilen und wovor frühere Generationen gewarnt haben. Man muss nicht daran glauben, um etwas über ein Land zu lernen.

Und falls heute Nacht ein Schwein vorbeischaut? Bedanke dich höflich. Den Lottogewinn kann es trotzdem nicht garantieren.

Quellen