Viele koreanische Märchen beginnen nicht einfach mit „Es war einmal“. Sie beginnen in einer Zeit, als Tiger noch Pfeife rauchten. Auf Koreanisch heißt es: *horangi dambae piudeon sijeol* – 호랑이 담배 피우던 시절. Eine Geschichte also die in einer längst verblassten Vergangenheit spielt als es noch magisch zuging.
Ein Tiger mit mehreren Gesichtern
Der Tiger ist in koreanischen Geschichten selten nur gefährlich. Manchmal bewacht er einen Ort. Manchmal steht er für Kraft und Würde. Und manchmal lässt er sich von einem kleineren, klügeren Tier gründlich zum Narren halten.
Gerade in volkstümlichen Bildern wirkt er deshalb erstaunlich menschlich. Er schaut streng, etwas beleidigt oder so selbstzufrieden, dass man ihm die nächste Dummheit bereits zutraut.
Das macht ihn interessant. Ein Symbol muss nicht immer feierlich auf einem Sockel stehen. Es darf Zähne zeigen und trotzdem Humor besitzen.
Kiefern bleiben, wenn Jahreszeiten gehen. Das zeigt Beständigkeit.
Neben dem Tiger taucht häufig eine Kiefer auf. Ihre Nadeln bleiben auch im Winter grün. In koreanischen Bildern kann sie deshalb für ein langes Leben, Beständigkeit und eine aufrechte Haltung stehen.
Eine bekannte Erzählung handelt von der alten Kiefer Jeongipumsong. Sie soll ihre Äste gehoben haben, damit die Sänfte von König Sejo darunter hindurchziehen konnte. Der Baum erhielt später sogar einen Rang – eine schöne Geschichte über Respekt, auch wenn Legenden selten so ordentlich wachsen wie Aktennotizen.
Hibiscus – eine Blüte, die wiederkommt
Die Mugunghwa, Hibiscus syriacus, ist die Nationalblume Südkoreas. Ihr Name wird mit etwas Unvergänglichem oder immer Wiederkehrendem verbunden. Einzelne Blüten bleiben nicht für immer. Die Pflanze bringt über viele Wochen jedoch stets neue hervor.
Vielleicht passen Tiger, Kiefer und Mugunghwa deshalb so gut zusammen. Keines dieser Bilder sagt einfach nur „Korea“. Sie erzählen von Mut, Ausdauer, Schutz – und davon, dass Stärke nicht immer ernst aussehen muss.
Die Bedeutung verändert sich mit Zeit, Bild und Geschichte. Manchmal ist ein Tiger ein Wächter. Manchmal ein Narr. Und manchmal sitzt er einfach in einer längst vergangenen Welt und raucht seine Pfeife.

